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Szene 01 / 08

Die Vertrauenskette

Zertifikatdienste und Public Key Infrastructure

Montagmorgen, 8:47 Uhr.Dein Telefon klingelt. Der Chef: "Unsere interne Website zeigt kein Schloss mehr. Kunden beschweren sich. Fix das." Du oeffnest den Browser — "Nicht sicher" prangt in der Adresszeile. Das Zertifikat ist abgelaufen. Was jetzt?

Was Zertifikate leisten

Vertraulichkeit

Daten werden verschluesselt — niemand kann mitlesen

Integritaet

Daten werden beim Transport nicht veraendert

Authentizitaet

Identitaet des Gegenueber wird ueberprueft

Nachweisbarkeit

Digitale Signaturen beweisen den Absender

Die Notar-Analogie: Eine CA funktioniert wie ein Einwohnermeldeamt. Du weist dich aus, bekommst einen Personalausweis (= Zertifikat). Jeder kann beim Amt nachfragen ob er echt ist. Das Amt fuehrt auch eine Liste gestohlener Ausweise (= CRL).

Die Vertrauenskette — live

Root CA
Vertraut sich selbst
Issuing CA
Stellt Zertifikate aus
Webserver
Erhaelt Zertifikat
Browser
Verifiziert Kette

Kernbegriffe

PKI
CA (Certificate Authority)
AD CS
Stamm-CA (Root CA)
CRL / OCSP
SSL / TLS
AIA (Authority Information Access)
CDP (CRL Distribution Point)

Oeffentliche vs. interne CA

EigenschaftOeffentliche CA (DigiCert, Let's Encrypt)Interne CA (AD CS)
KostenPro Zertifikat (oder kostenlos)Nur Infrastrukturkosten
VertrauenAutomatisch von allen BrowsernNur innerhalb der eigenen Domain
KontrolleBegrenztVolle Kontrolle ueber Templates, Laufzeiten, Verwendungszwecke
Auto-EnrollmentNeinJa, per GPO
AufwandGeringHoeher (CA-Infrastruktur betreiben)
EinsatzOeffentliche WebsitesIntranet, VPN, EFS, RDS, WLAN-Auth
Best Practice: Fuer interne Dienste (VPN, Intranet, WLAN) eine eigene Enterprise CA betreiben. Fuer oeffentliche Websites eine oeffentliche CA nutzen.

Enterprise vs. Standalone CA

EigenschaftEigenstaendige CAEnterprise CA
AD-IntegrationNeinJa
ZertifikatausgabeManuellAutomatisch
VorlagenKeineKonfigurierbar
EinsatzRoot CA (offline)Issuing CA (im AD)

Zertifikatvorlagen (Templates)

Vorlagen definieren, welche Art von Zertifikat ausgestellt wird: Gueltigkeit, Schluessellaenge, Verwendungszweck, wer es anfordern darf.

VersionEingefuehrt mitBesonderheit
V1Windows 2000Nur vordefinierte Vorlagen, nicht aenderbar
V2Windows Server 2003Anpassbare Vorlagen, Auto-Enrollment moeglich
V3Windows Server 2008CNG-Unterstuetzung (Cryptography Next Gen)
V4Windows Server 2012Key Attestation, erneuerungs-basierte Vorlagen

Wichtige Vorlagen-Einstellungen:

  • Gueltigkeit: Wie lange ist das Zertifikat gueltig? Standard fuer Webserver: 1-2 Jahre.
  • Schluessellaenge: Mindestens 2048 Bit RSA. Fuer hohe Sicherheit: 4096 Bit.
  • Schluesselverwendung: Digital Signature, Key Encipherment, Data Encipherment — je nach Einsatzzweck.
  • Erweiterte Schluesselverwendung: Server Authentication (fuer Webserver), Client Authentication (fuer VPN-Clients), Smart Card Logon etc.

Vorlagen-Berechtigungen

BerechtigungBedeutung
ReadVorlage lesen und sehen
EnrollZertifikat manuell anfordern
Auto-EnrollZertifikat automatisch per GPO erhalten
Duplizieren statt aendern: Standardvorlagen nie direkt aendern. Immer duplizieren, umbenennen und dann anpassen. So bleibt die Originalvorlage erhalten.

Registrierungsmethoden

Manuell (MMC)

certlm.msc oder Zertifikat-Snap-In. Zertifikat anfordern, Vorlage waehlen.

Web-Registrierung

https://ca-server/certsrv — per Browser ein Zertifikat anfordern.

Auto-Enrollment (GPO)

Automatische Verteilung per Gruppenrichtlinie. Kein Benutzereingriff.

Auto-Enrollment per GPO einrichten

Pfad: Computerkonfiguration > Richtlinien > Windows-Einstellungen > Sicherheitseinstellungen > Richtlinien fuer oeffentliche Schluessel

  • Vertrauenswuerdige Stammzertifizierungsstellen: Root-CA-Zertifikat per GPO an alle Clients verteilen
  • Zertifikatdiensteclient — Automatische Registrierung: Aktivieren + "Abgelaufene Zertifikate erneuern" + "Ausstehende Zertifikate aktualisieren"
Voraussetzung fuer Auto-Enrollment: Die Zertifikatvorlage muss V2 oder hoeher sein UND die Gruppe (z.B. Domain Computers) muss Read + Enroll + Auto-Enroll Berechtigungen haben.

AIA und CDP konfigurieren

Clients muessen wissen wo sie das CA-Zertifikat (AIA) und die Sperrliste (CDP) finden. Diese Pfade werden in jedes ausgestellte Zertifikat eingebettet.

  • AIA-Pfad: http://pki.firma.local/CertEnroll/ca-name.crt — Clients laden hier das CA-Zertifikat herunter
  • CDP-Pfad: http://pki.firma.local/CertEnroll/ca-name.crl — Clients pruefen hier ob ein Zertifikat gesperrt ist
  • LDAP-Pfad: Fuer Domain-Mitglieder automatisch im AD verfuegbar
AIA/CDP pruefen
# AIA und CDP eines Zertifikats anzeigen
certutil -URL "C:\cert.cer"

# CRL manuell herunterladen und pruefen
certutil -verify -urlfetch "C:\cert.cer"

# CA-Konfiguration anzeigen
certutil -CAInfo

Untergeordnete CA (Subordinate CA) bereitstellen

Analogie: Die Root CA ist der Bundespraesidnet — er ernennt Minister (Subordinate CAs). Die Minister stellen dann Ausweise aus (Endbenutzerzertifikate). Der Praesident bleibt im Hintergrund.

Ablauf der Bereitstellung:

  1. Enterprise Subordinate CA installieren — waehrend der Installation wird eine Zertifikatanforderung (.req) erzeugt
  2. Die .req-Datei zur offline Root CA transportieren (z.B. USB-Stick)
  3. Auf der Root CA: Anforderung einreichen und Zertifikat ausstellen
  4. Zertifikat (.cer) zurueck zur Subordinate CA transportieren
  5. Auf der Subordinate CA: Zertifikat installieren und Dienst starten
Subordinate CA Zertifikat
# Auf der Root CA: Anforderung einreichen
certreq -submit "C:\SubCA-Request.req"

# Zertifikat ausstellen (Anforderungs-ID beachten)
certutil -resubmit [RequestID]

# Zertifikat abrufen
certreq -retrieve [RequestID] "C:\SubCA-Cert.cer"

# Auf der Subordinate CA: Zertifikat installieren
certutil -installcert "C:\SubCA-Cert.cer"

# Dienst starten
Start-Service certsvc
Kritisch: Die Stamm-CA MUSS offline sein. Wenn sie kompromittiert wird, ist die gesamte Zertifikatsstruktur wertlos. Alle jemals ausgestellten Zertifikate waeren nicht mehr vertrauenswuerdig.

PowerShell Referenz

Zertifikatdienste
# AD CS Rolle installieren
Install-WindowsFeature AD-Certificate -IncludeManagementTools

# Webregistrierung installieren
Install-WindowsFeature ADCS-Web-Enrollment

# Online Responder (OCSP) installieren
Install-WindowsFeature ADCS-Online-Cert

# Alle lokalen Zertifikate anzeigen
Get-ChildItem Cert:\LocalMachine\My

# Zertifikat exportieren
Export-Certificate -Cert Cert:\LocalMachine\My\[Thumbprint] -FilePath C:\cert.cer

# Zertifikat mit privatem Schluessel exportieren
Export-PfxCertificate -Cert Cert:\LocalMachine\My\[Thumbprint] -FilePath C:\cert.pfx -Password (ConvertTo-SecureString "Pa$$" -AsPlainText -Force)

# Zertifikat sperren
Revoke-Certificate -SerialNumber "1A2B3C4D" -Reason "KeyCompromise"

# Zertifikatvorlagen auflisten
Get-CATemplate | Select-Object Name

# Neue CRL veroeffentlichen
certutil -CRL

Live Terminal

Live Terminal
CA-Hierarchie aufbauen

Ziehe die Elemente in die richtige Reihenfolge — von oben (hoechste Vertrauensebene) nach unten.

🏢 Issuing CA
🏛️ Stamm-CA (Root)
📜 Webserver-Zertifikat
Ebene 1 — Hoechste Vertrauensinstanz
Ebene 2 — Stellt Zertifikate aus
Ebene 3 — Erhaelt Zertifikat
Wissenscheck
Frage 1 / 70 richtig

Was ist die Hauptaufgabe einer Certificate Authority?

Missionen
01Installiere die AD CS Rolle mit Webregistrierung
02Konfiguriere eine Enterprise Root CA
03Dupliziere die Webserver-Vorlage und passe Gueltigkeit und Schluessellaenge an
04Vergib Enroll- und Auto-Enroll-Berechtigungen fuer Domain Computers
05Richte Auto-Enrollment per GPO ein
06Fordere ein Zertifikat per Webregistrierung an (certsrv)
07Pruefe AIA und CDP mit certutil -URL
08Sperre ein Zertifikat und veroeffentliche die CRL
Szene 02 / 08

Der sichere Tunnel

VPN, DirectAccess und Netzwerkrichtlinienserver

Dienstagmorgen. Drei Mitarbeiter arbeiten von zu Hause. Sie muessen auf den Fileserver zugreifen — aber oeffentliches Internet ist unsicher. Du brauchst einen verschluesselten Tunnel: VPN. Und einen Tuersteher, der entscheidet wer rein darf: NPS.

2.1 VPN-Szenarien

Site-to-Site

Zwei Standorte permanent verbunden. Zentrale und Filiale.

Point-to-Site

Einzelner Client verbindet sich ins Firmennetzwerk. Homeoffice.

Point-to-Point

Direkte Verbindung zwischen zwei Computern.

DirectAccess

Automatisches VPN ohne Benutzerinteraktion. Always-on.

2.2 DirectAccess

DirectAccess baut automatisch eine verschluesselte Verbindung auf, sobald der Computer mit dem Internet verbunden ist. Der Benutzer muss nichts tun — kein manuelles VPN-Starten.

  • Always-on: Verbindung steht permanent, sobald Internet verfuegbar
  • Transparent: Benutzer merkt nichts — arbeitet als waere er im Buero
  • Management: IT kann auch remote verwaltete Geraete patchen und konfigurieren
  • Voraussetzung: IPv6 (oder Uebergangstechnologien wie 6to4, Teredo, IP-HTTPS)
DirectAccess vs. VPN: DirectAccess ist "always-on" und automatisch. Klassisches VPN muss der Benutzer manuell starten. Fuer maximale Sicherheit und Komfort: DirectAccess bevorzugen.

2.3 NAT — Network Address Translation

NAT uebersetzt private IP-Adressen (z.B. 192.168.x.x) in oeffentliche IP-Adressen und zurueck. Der VPN-Server steht oft hinter NAT.

SNAT (Source NAT)
DNAT (Destination NAT)
NAT-T (NAT Traversal)

2.4 Tunnelprotokolle

ProtokollPortSicherheitStatus Server 2025
PPTPTCP 1723SchwachDEAKTIVIERT
L2TP/IPsecUDP 500, 1701, 4500GutDEAKTIVIERT
SSTPTCP 443Sehr gutAktiv — durch jede Firewall
IKEv2UDP 500Sehr gutAktiv — VPN-Reconnect
Server 2025: PPTP und L2TP/IPsec sind deaktiviert! Nur noch SSTP und IKEv2. Bei der Port-Konfiguration koennen die Anzahl der Ports pro Protokoll eingestellt werden.

2.5 VPN-Authentifizierung

MethodeSicherheitEmpfehlung
PAPKlartext!NIE verwenden
CHAPChallenge-ResponseVeraltet
MS-CHAPv2Gegenseitige AuthLegacy-Clients
EAP (Zertifikate)ZertifikatbasiertBest Practice — nutzt PKI aus Szene 1!
PKI fuer VPN: EAP-TLS nutzt Zertifikate von der Enterprise CA (Szene 1). Der VPN-Server braucht ein Computerzertifikat, der Client ein Benutzerzertifikat. Beides per Auto-Enrollment automatisch verteilen.

2.6 VPN-Server einrichten — Schritt fuer Schritt

Voraussetzungen: Zwei Netzwerkschnittstellen (intern + extern), ggf. VLAN-Konfiguration. Die externe Karte bekommt eine eigene IP (z.B. 132.166.0.1/16).

VPN + NPS installieren
# Remotezugriff installieren
Install-WindowsFeature DirectAccess-VPN -IncludeManagementTools

# NPS installieren
Install-WindowsFeature NPAS -IncludeManagementTools

# Status pruefen
Get-RemoteAccess

Konfiguration im Detail

  1. Routing und RAS-Konsole oeffnen (rrasmgmt.msc)
  2. Setup-Assistent: Benutzerdefiniert waehlen (nicht Standardkonfiguration!)
  3. VPN-Zugriff aktivieren
  4. Dienst starten wenn aufgefordert
  5. DHCP Relay-Agent konfigurieren fuer automatische IP-Vergabe an VPN-Clients
  6. Ports konfigurieren: Anzahl pro Protokoll (SSTP, IKEv2)

Zusaetzliche Sicherheit

  • Statische Paketfilter: Nur bestimmte Ports/Protokolle auf der externen Schnittstelle zulassen
  • Authentifizierungsanbieter: RADIUS (NPS) statt Windows-Authentifizierung konfigurieren
  • Kontorichtlinien: Kontosperrung nach fehlgeschlagenen Versuchen
VPN-Reconnect (IKEv2): Haelt Verbindung bei kurzen Unterbrechungen. Zug faehrt durch Tunnel → Verbindung bleibt. Transparent fuer den Benutzer.

2.7 VPN-Client einrichten

Manuell am Client:

  1. Netzwerk- und Freigabecenter oeffnen
  2. "Neue Verbindung oder neues Netzwerk einrichten"
  3. "Verbindung mit dem Arbeitsplatz herstellen"
  4. Internetadresse des VPN-Servers eingeben (externe IP oder DNS-Name)
  5. VPN-Typ waehlen: IKEv2 oder SSTP (oder automatisch)
  6. Anmeldeinformationen eingeben oder Zertifikat waehlen
VPN per PowerShell
# VPN-Verbindung hinzufuegen
Add-VpnConnection -Name "Firma-VPN" -ServerAddress "vpn.firma.de" -TunnelType IKEv2 -AuthenticationMethod EAP

# VPN verbinden
rasdial "Firma-VPN"

# VPN-Verbindungen anzeigen
Get-VpnConnection

2.8 Benutzer-RAS-Berechtigungen

In den Eigenschaften jedes AD-Benutzerkontos gibt es drei Modi fuer den Remotezugriff:

ModusBedeutung
Zugriff gestattenBenutzer darf sich immer per VPN verbinden
Zugriff verweigernBenutzer darf sich nie per VPN verbinden
Zugriff ueber NPS-Netzwerkrichtlinien steuernNPS-Richtlinien entscheiden (empfohlen!)
Best Practice: Immer "Ueber NPS steuern" waehlen. Dann werden Netzwerkrichtlinien ausgewertet — zentral verwaltbar, flexibel, auditierbar.

2.9 NPS — Der Tuersteher

Tuersteher-Prinzip: NPS (Network Policy Server) ist der RADIUS-Server von Microsoft. Alle VPN-Server, WLAN-APs und Switches fragen den NPS: "Darf dieser Benutzer rein?"

RADIUS: Zwei Betriebsmodi

ModusBeschreibungEinsatz
RADIUS ServerNPS authentifiziert und autorisiert direktEinzelne Standorte, kleine Umgebungen
RADIUS ProxyNPS leitet Anfragen an anderen RADIUS-Server weiterGrosse Umgebungen, mehrere Domaenen, Foederationen

Zugriffsentscheidung — Reihenfolge:

  1. RAS-Berechtigung "Verweigern" → Zugriff verweigert
  2. RAS-Berechtigung "Zulassen" → Zugriff erlaubt
  3. "Ueber NPS steuern" → Richtlinien werden geprueft
  4. Erste passende Netzwerkrichtlinie gewinnt (Reihenfolge!)
  5. Keine Richtlinie passt → Zugriff verweigert

Zwei Richtlinientypen:

  • Verbindungsanforderungsrichtlinien — WO wird authentifiziert? (lokal oder weiterleiten)
  • Netzwerkrichtlinien — OB Zugriff erlaubt wird. Bedingungen: Gruppenmitgliedschaft, Tageszeit, Geraetetyp.

NPS-Verwaltungstools

  • NPS MMC Snap-in: nps.msc — grafische Verwaltung aller Richtlinien
  • netsh nps: Kommandozeile fuer NPS-Konfiguration und Export/Import
NPS Befehle
# NPS-Konfiguration exportieren (Backup!)
netsh nps export filename="C:\nps-backup.xml" exportPSK=YES

# NPS-Konfiguration importieren
netsh nps import filename="C:\nps-backup.xml"

# RADIUS-Client hinzufuegen (z.B. VPN-Server)
netsh nps add client name="VPN-Server" address="10.0.0.1" sharedsecret="GeheimesPasswort"
Wissenscheck
Frage 1 / 50 richtig

Welches VPN-Protokoll ist in Server 2025 die modernste Option?

Missionen
01Installiere die RAS-Rolle mit VPN-Zugriff
02Konfiguriere den Setup-Assistenten: Benutzerdefiniert > VPN
03Richte den DHCP Relay-Agent ein
04Installiere NPS und erstelle eine Netzwerkrichtlinie
05Erstelle eine VPN-Verbindung am Client
06Teste die Verbindung mit IKEv2 und EAP-Zertifikat
Szene 03 / 08

Der Tresor

EFS und BitLocker Verschluesselung

Mittwoch, 14:30 Uhr. Ein Laptop wurde im Zug vergessen. Darauf: Personaldaten, Vertraege, Gehaltsabrechnungen. Wenn jemand die Festplatte ausbaut, kann er alles lesen. Es sei denn — die Daten sind verschluesselt. Du brauchst zwei Werkzeuge: EFS fuer einzelne Dateien und BitLocker fuer ganze Volumes.

3.1 EFS — Dateiverschluesselung

EFS (Encrypting File System) verschluesselt einzelne Dateien und Ordner. Nur der berechtigte Benutzer kann sie oeffnen — selbst wenn ein Admin Zugriff auf den Server hat.

Typische Einsatzszenarien

  • Gemeinsam genutzte Computer: Mehrere Benutzer am gleichen PC — EFS schuetzt Dateien voreinander
  • Schutz vor anderen Admins: Selbst Domaenen-Admins koennen EFS-verschluesselte Dateien nicht lesen (ausser als DRA)
  • Laptopdiebstahl: Festplatte in anderem PC eingebaut → Dateien bleiben verschluesselt

So funktioniert EFS:

  1. System erzeugt zufaelligen symmetrischen Sitzungsschluessel (FEK = File Encryption Key)
  2. Datei wird mit dem FEK verschluesselt
  3. FEK wird mit dem oeffentlichen Schluessel des Benutzers verschluesselt
  4. Beim Oeffnen: Privater Schluessel entschluesselt FEK → Datei lesbar
Wichtige Einschraenkungen:
  • EFS funktioniert nur auf NTFS — nicht auf FAT32 oder ReFS
  • EFS verschluesselt nur auf der Festplatte — bei Netzwerkuebertragung wird entschluesselt!
  • Systemdateien koennen nicht mit EFS verschluesselt werden
  • Komprimierte Dateien muessen erst dekomprimiert werden

EFS-Freigabe fuer andere Benutzer

Man kann andere Benutzer zu einer EFS-verschluesselten Datei hinzufuegen:

  1. Dateieigenschaften → Erweitert → Details
  2. "Hinzufuegen" → Zertifikat des anderen Benutzers waehlen
  3. Der FEK wird zusaetzlich mit dem oeffentlichen Schluessel des anderen Benutzers verschluesselt
  4. Beide Benutzer koennen die Datei nun oeffnen
Voraussetzung: Der andere Benutzer muss ein EFS-Zertifikat haben. Bei Enterprise CA: automatisch per Auto-Enrollment. Sonst: manuell anfordern.

EFS aktivieren und DRA einrichten

EFS Befehle
# Ordner verschluesseln
cipher /e /s:C:\Vertraulich

# Status pruefen
cipher /c C:\Vertraulich

# Wiederherstellungsagent-Zertifikat erstellen
cipher /r:"DRA-Admin"
# Erzeugt: DRA-Admin.cer (oeffentlich) + DRA-Admin.pfx (privat)

# Alle verschluesselten Dateien im Verzeichnisbaum anzeigen
cipher /u /n

DRA per GPO verteilen: Computerkonfiguration → Sicherheitseinstellungen → Richtlinien fuer oeffentliche Schluessel → Verschluesselndes Dateisystem → DRA hinzufuegen (.cer importieren).

Wichtig: DRA VOR dem Verschluesseln einrichten! Ohne DRA kann bei Verlust des privaten Schluessels niemand die Dateien wiederherstellen.

3.2 BitLocker — Volume-Verschluesselung

BitLocker verschluesselt ganze Volumes — das Betriebssystemlaufwerk und/oder Datenlaufwerke. Schuetzt bei physischem Diebstahl des Datentraegers.

FVEK
VMK
TPM (Trusted Platform Module)
Wiederherstellungsschluessel

TPM im Detail

  • Integritaetspruefung: TPM misst den Boot-Prozess (BIOS, Bootloader, OS). Aenderung = VMK wird nicht freigegeben
  • Versiegelung: VMK ist an die Hardware gebunden — Festplatte in anderem PC = kein Zugriff
  • TPM 1.2 vs 2.0: TPM 2.0 ist Pflicht fuer Windows 11 und bietet stärkere Kryptografie
  • Virtuelle Maschinen: Hyper-V Gen2 VMs koennen ein virtuelles TPM nutzen (vTPM)

BitLocker ohne TPM

Moeglich ueber Gruppenrichtlinie:

Pfad: Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → BitLocker-Laufwerkverschluesselung → Betriebssystemlaufwerke → "Zusaetzliche Authentifizierung beim Start anfordern" → "BitLocker ohne kompatibles TPM zulassen"

VMK wird dann auf einem USB-Stick gespeichert. Der USB-Stick muss bei jedem Start eingesteckt sein.

BitLocker-Verwaltungstools

ToolBeschreibung
SystemsteuerungGrafische Verwaltung: Aktivieren, PIN aendern, Schluessel sichern
manage-bdeKommandozeile: Volle Kontrolle ueber BitLocker
PowerShellEnable-BitLocker, Get-BitLockerVolume, Backup-BitLockerKeyProtector
GPOZentrale Konfiguration: TPM-Anforderungen, Wiederherstellungsoptionen, Verschluesselungsmethode
BitLocker Befehle
# BitLocker aktivieren (mit TPM)
manage-bde -on C: -RecoveryPassword

# BitLocker aktivieren (ohne TPM, mit Passwort)
manage-bde -on C: -Password

# Status pruefen
manage-bde -status C:

# Wiederherstellungsschluessel im AD sichern
Backup-BitLockerKeyProtector -MountPoint "C:" -KeyProtectorId $id

# BitLocker per PowerShell aktivieren
Enable-BitLocker -MountPoint "C:" -RecoveryPasswordProtector -EncryptionMethod XtsAes256

# Alle Protektoren anzeigen
Get-BitLockerVolume -MountPoint "C:" | Select-Object -ExpandProperty KeyProtector

# BitLocker To Go (USB-Stick)
manage-bde -on E: -Password

BitLocker GPO-Einstellungen

Pfad: Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → BitLocker-Laufwerkverschluesselung

  • Verschluesselungsmethode: XTS-AES 128 oder 256 (Betriebssystem), AES-CBC 128/256 (Wechseldatentraeger)
  • Wiederherstellung: Erzwingen, dass Schluessel in AD gespeichert wird BEVOR Verschluesselung beginnt
  • Betriebssystemlaufwerke: Zusaetzliche Authentifizierung (PIN, USB, TPM+PIN)

Wiederherstellung

Wenn der TPM-Chip eine Aenderung erkennt (z.B. BIOS-Update, Festplatte in anderem PC):

  1. BitLocker fordert den 48-stelligen Wiederherstellungsschluessel
  2. Aus AD abrufen: Active Directory Benutzer und Computer → Computerobjekt → BitLocker-Wiederherstellung
  3. Alternativ: Aus Datei oder Ausdruck

3.3 BitLocker To Go

BitLocker To Go verschluesselt USB-Sticks und externe Festplatten.

  • Entsperrung: Per Passwort oder Smartcard
  • GPO-Erzwingung: Wechseldatentraeger duerfen nur beschrieben werden, wenn BitLocker aktiv ist
  • Pfad: Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → BitLocker → Wechseldatentraeger → "Schreibzugriff auf Wechseldatentraeger verweigern die nicht durch BitLocker geschuetzt sind"

3.4 EFS vs. BitLocker

EFSBitLocker
VerschluesseltEinzelne Dateien/OrdnerGanze Volumes
SchutzebeneBenutzerComputer
Benoetigt ZertifikateJa (PKI!)Nein
Schuetzt BootNeinJa (TPM)
SystemdateienNeinJa
DateisystemNur NTFSNTFS, FAT32, exFAT
Netzwerk-SchutzNein (Klartext!)Nein (nur Datentraeger)
KombinierbarJa — zusammen fuer maximalen Schutz
Kombination ist Best Practice: BitLocker schuetzt das Volume bei physischem Diebstahl. EFS schuetzt einzelne Dateien vor anderen angemeldeten Benutzern. Beide zusammen = maximaler Schutz.
Wissenscheck
Frage 1 / 60 richtig

Was schuetzt EFS NICHT?

Missionen
01Verschluessele einen Ordner mit EFS (cipher /e)
02Richte einen DRA per GPO ein
03Fuege einen zweiten Benutzer zu einer EFS-Datei hinzu
04Aktiviere BitLocker mit TPM auf dem Systemlaufwerk
05Konfiguriere BitLocker ohne TPM per GPO
06Sichere den Wiederherstellungsschluessel im AD
07Verschluessele einen USB-Stick mit BitLocker To Go
Szene 04 / 08

Das Tor zur Welt

Internet Information Services (IIS)

Donnerstag. Die Geschaeftsleitung will ein Intranet-Portal. SharePoint ist zu teuer. "Bau uns was mit IIS", sagt der Chef. Du brauchst: einen Webserver, SSL-Zertifikat (Szene 1!), und Windows-Authentifizierung fuer SSO. Und spaeter sollen drei verschiedene Websites auf demselben Server laufen.

4.1 IIS-Architektur — modularer Aufbau

IIS ist keine einzelne Komponente, sondern ein modulares System. Man installiert nur die Module die man braucht.

HauptrolleUntermodule
Web ServerCommon HTTP, Health & Diagnostics, Performance, Security, Application Development
FTP ServerFTP-Dienst, FTP-Erweiterbarkeit
Management ToolsIIS-Verwaltungskonsole, Verwaltungsskripts, Verwaltungsdienst

Web Server-Untermodule im Detail

  • Common HTTP: Standarddokument, Verzeichnissuche, HTTP-Fehler, statischer Inhalt
  • Health & Diagnostics: HTTP-Protokollierung, Ablaufverfolgung, benutzerdefinierte Protokollierung
  • Performance: Komprimierung (statisch und dynamisch), Ausgabezwischenspeicherung
  • Security: Authentifizierungsmodule, IP-Filterung, URL-Autorisierung
  • Application Development: ASP.NET, CGI, ISAPI, WebSocket
IIS Installation
# Standardinstallation
Install-WindowsFeature Web-Server -IncludeManagementTools

# Windows-Authentifizierung nachruesten
Install-WindowsFeature Web-Windows-Auth

# Digest-Authentifizierung
Install-WindowsFeature Web-Digest-Auth

# Client-Zertifikat-Authentifizierung
Install-WindowsFeature Web-Client-Auth

# Feature entfernen (z.B. Verzeichnissuche)
Remove-WindowsFeature Web-Dir-Browsing

# Alle installierten IIS-Features anzeigen
Get-WindowsFeature Web-* | Where-Object Installed

IIS-Manager Bereiche:

  • Verbindungen (links) — Server, Websites, Anwendungspools
  • Features (mitte) — Konfigurierbare Einstellungen
  • Aktionen (rechts) — Start, Stop, Bindungen, Neustart

4.2 Websites konfigurieren

Standarddokumente

Wenn kein Dateiname in der URL: IIS sucht nach Default.htm → Default.asp → index.htm → index.html → default.aspx. Kein Treffer → Fehler 403 (oder Verzeichnisliste wenn aktiviert).

Verzeichnissuche = Sicherheitsrisiko! Benutzer sehen alle Dateien und koennen sie herunterladen. Standardmaessig deaktiviert — so lassen auf oeffentlichen Websites!

Site Bindings — Mehrere Websites auf einem Server

Jede Website braucht eine eindeutige Bindung: Protokoll + IP + Port + Hostname muessen pro Website einzigartig sein.

  • Verschiedene Ports — z.B. :80, :8080, :8081 (unschoen fuer Benutzer)
  • Verschiedene IPs — Mehrere IPs auf einer NIC (begrenzt)
  • Host-Header (Hostnamen) — Best Practice! intranet.firma.de, portal.firma.de auf gleichem Port 80/443. Erfordert DNS-Eintraege.

Website-Limits

  • Bandbreitendrosselung: Maximale Bandbreite pro Website begrenzen (Bytes/Sekunde)
  • Verbindungslimits: Maximale gleichzeitige Verbindungen pro Website
  • Verbindungstimeout: Wie lange inaktive Verbindungen offen bleiben

Anwendungspools

Jeder Pool = eigener Prozess (w3wp.exe). App stuerzt ab → andere laufen weiter. Best Practice: Jede Website in eigenem Pool.

4.3 Dateisystemberechtigungen

IIS verwendet spezielle Konten fuer den Zugriff auf Website-Dateien:

KontoVerwendung
IUSRIntegriertes Konto fuer anonyme Zugriffe. Ersetzt das alte IUSR_COMPUTERNAME.
IIS_IUSRSGruppe fuer alle IIS-Arbeitsprozesse. Anwendungspools sind automatisch Mitglied.
Berechtigungen setzen: IUSR braucht mindestens Lesen auf den Website-Ordner. Fuer Uploads/Schreibzugriff: Schreiben hinzufuegen. Niemals Vollzugriff!

4.4 Authentifizierung im Detail

MethodeFunktionsweiseEinsatzSicherheit
AnonymZugriff als IUSR-Konto, keine AnmeldungOeffentliche WebsitesKeine Auth
Standard (Basic)Benutzername + Passwort als Base64 (Klartext!)NUR mit HTTPS!Schwach ohne SSL
DigestPasswort als MD5-HashWenn Windows-Auth nicht gehtBesser als Basic
Windows (Kerberos/NTLM)AD-Credentials automatisch (SSO)IntranetSehr gut
Client-ZertifikatClient-Zertifikat (PKI!) wird geprueftHochsicherheitSehr gut

4.5 SSL/HTTPS einrichten

Serverzertifikate — drei Quellen

QuelleVertrauenEinsatz
SelbstsigniertNur lokal, BrowserwarnungenTests, Entwicklung
Domaenen-CA (Enterprise CA)Alle DomaenenmitgliederIntranet (Szene 1!)
Externe CA (DigiCert etc.)Alle Browser weltweitOeffentliche Websites

HTTPS einrichten — Ablauf:

  1. Serverzertifikat beschaffen (von eigener CA oder extern)
  2. IIS-Manager → Serverzertifikate → Importieren
  3. Website → Bindungen → Hinzufuegen → HTTPS (443) → Zertifikat waehlen
  4. Optional: HTTP→HTTPS Weiterleitung einrichten
Windows 11 Problem: Domaenenzertifikate die direkt aus dem IIS-Manager angefordert werden, werden von Windows 11 Clients teilweise nicht akzeptiert. Loesung: Eine duplizierte Webserver-Vorlage in der CA veroeffentlichen und das Zertifikat darueber anfordern.

SSL-Einstellungen pro Website/Seite

  • SSL erforderlich: Kann fuer die gesamte Website oder einzelne Seiten/Verzeichnisse erzwungen werden
  • Clientzertifikat — Ignorieren: Kein Clientzertifikat verlangt
  • Clientzertifikat — Akzeptieren: Wird genutzt wenn vorhanden, aber nicht erzwungen
  • Clientzertifikat — Erfordern: Ohne Clientzertifikat kein Zugriff
Szene 1 + 4 verbunden: Die Zertifikate aus der Enterprise CA werden hier fuer HTTPS verwendet. Auto-Enrollment liefert das Zertifikat automatisch an den Webserver.

4.6 HTTP Redirect

HTTP-Umleitung leitet Anfragen automatisch an eine andere URL weiter.

CodeTypBedeutung
301Permanent RedirectRessource wurde dauerhaft verschoben. Suchmaschinen aktualisieren ihren Index.
302Temporary RedirectRessource ist temporaer woanders. Suchmaschinen behalten die alte URL.

Typischer Einsatz: HTTP (Port 80) → HTTPS (Port 443) per 301 Redirect. Alle unverschluesselten Anfragen werden automatisch auf die sichere Version umgeleitet.

  • Option "Alle Anfragen an genaues Ziel": Egal welche Seite angefragt wird, Umleitung auf eine bestimmte URL
  • Option "Relative Pfade beibehalten": /seite1 → /neue-url/seite1 (Pfad wird angehaengt)
IIS PowerShell
# Neue Website erstellen
New-IISSite -Name "Intranet" -PhysicalPath "C:\inetpub\intranet" -BindingInformation "*:80:intranet.firma.de"

# HTTPS-Bindung hinzufuegen
New-IISSiteBinding -Name "Intranet" -BindingInformation "*:443:intranet.firma.de" -Protocol https -CertificateThumbPrint $thumbprint -CertStoreLocation "Cert:\LocalMachine\My"

# Website starten/stoppen
Start-IISSite -Name "Intranet"
Stop-IISSite -Name "Intranet"

# Alle Websites auflisten
Get-IISSite
Wissenscheck
Frage 1 / 60 richtig

Wie betreibt man am besten mehrere Websites auf einem IIS?

Missionen
01Installiere IIS mit Windows-Authentifizierung
02Erstelle zwei Websites mit Host-Header-Bindung
03Importiere ein Zertifikat von der Enterprise CA
04Richte HTTPS-Bindung ein und erzwinge SSL
05Konfiguriere HTTP→HTTPS Weiterleitung (301)
06Teste Windows-Auth und pruefe SSO-Verhalten
Szene 05 / 08

Der Update-Waechter

Windows Server Update Services

Freitagmorgen. WannaCry 2.0 ist unterwegs. Microsoft hat einen Patch veroeffentlicht. 200 Rechner im Netzwerk muessen SOFORT gepatcht werden — aber nicht alle gleichzeitig, sonst bricht das Netz zusammen. Du brauchst WSUS: zentral herunterladen, kontrolliert verteilen.

5.1 WSUS verstehen

Statt dass 200 PCs Updates einzeln von Microsoft laden, macht das EIN Server zentral: herunterladen, genehmigen, gestaffelt verteilen.

Voraussetzungen

  • IIS 6.0 oder hoeher (wird automatisch mitinstalliert)
  • .NET Framework
  • Datenbank: WID (Windows Internal Database) oder SQL Server
  • Festplattenspeicher: Mindestens 40 GB fuer Update-Dateien (mehr empfohlen)
  • Netzwerk: Zugang zu Microsoft Update (oder Upstream-WSUS-Server)

Datenbankoptionen

WID (Windows Internal Database)SQL Server
KostenKostenlos (integriert)SQL-Lizenz erforderlich
VerwaltungNur lokal (Named Pipes)Remote-Zugriff moeglich
ReportingEingeschraenktVolle SQL-Reporting-Moeglichkeiten
EmpfehlungKleine Umgebungen (<500 Clients)Grosse Umgebungen, mehrere WSUS-Server

5.2 Bereitstellungsmodelle

Einzelner WSUS-Server
WSUS-Hierarchie — Autonomer Modus
WSUS-Hierarchie — Replikat-Modus

5.3 Der 4-Phasen-Prozess

1. Einschaetzen

Welche Updates gibt es? Sicherheitskritisch? Feature-Update? Treiber?

2. Identifizieren

Welche Systeme brauchen das Update? WSUS zeigt fehlende Updates pro Computer.

3. Evaluieren und Planen

Pilotgruppe definieren. Update testen. Rollback-Plan bereit?

4. Bereitstellen

Genehmigen: Erst Pilot, dann Abteilungen, dann alle. Termine und Fristen setzen.

5.4 WSUS installieren und konfigurieren

WSUS Installation
# WSUS installieren (mit WID)
Install-WindowsFeature UpdateServices -IncludeManagementTools

# Post-Installation: Inhaltsverzeichnis konfigurieren
& 'C:\Program Files\Update Services\Tools\wsusutil.exe' postinstall CONTENT_DIR=C:\WSUS

# WSUS-Konsole oeffnen
wsus.msc

Konfigurationsassistent — Schritt fuer Schritt

  1. Upstream-Server: Von Microsoft Update synchronisieren (oder von einem anderen WSUS-Server)
  2. Proxyserver: Wenn ein Proxy fuer Internetzugriff noetig ist
  3. Sprachen: Nur benoetigte Sprachen waehlen (spart Speicherplatz und Bandbreite)
  4. Produkte: Windows 10, Windows 11, Windows Server 2022/2025, Office etc. waehlen
  5. Klassifikationen: Sicherheitsupdates, kritische Updates, Service Packs, Feature Packs
  6. Synchronisierungszeitplan: Automatisch (z.B. taeglich 03:00 Uhr) oder manuell

5.5 Computergruppen

Computergruppen ermoeglichen gestaffelte Update-Verteilung.

  • Standardgruppen: "Alle Computer" und "Nicht zugewiesene Computer" (existieren immer)
  • Benutzerdefinierte Gruppen: z.B. "Pilot", "Server", "Clients-Abteilung-A", "Clients-Abteilung-B"

Clientseitige Zielzuordnung (Client-Side Targeting)

Per GPO wird festgelegt, in welche Computergruppe ein Client gehoert:

GPO-Pfad: Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → Windows Update → "Clientseitige Zielzuordnung aktivieren" → Gruppenname eingeben

Best Practice: Client-Side Targeting per GPO statt manueller Zuweisung in der WSUS-Konsole. So wird die Gruppenmitgliedschaft automatisch ueber AD-OUs gesteuert.

5.6 Update-Genehmigung und -Workflow

Der Genehmigungsworkflow:

  1. Erkennung: WSUS synchronisiert Update-Metadaten von Microsoft
  2. Genehmigung: Admin genehmigt Update fuer bestimmte Computergruppe
  3. Download: WSUS laedt die Update-Dateien herunter (erst nach Genehmigung!)
  4. Installation: Clients erkennen das genehmigte Update und installieren es

Reporting

WSUS bietet integrierte Berichte:

  • Update-Statusbericht: Welche Updates fehlen auf welchen Computern?
  • Computerbericht: Wie ist der Patch-Status eines bestimmten Computers?
  • Synchronisierungsbericht: Wann wurde zuletzt synchronisiert? Fehler?

5.7 Client-Konfiguration per GPO

Wichtige GPO-Einstellungen:

EinstellungPfad / Wert
WSUS-Server angeben"Internen Pfad fuer den Microsoft Updatedienst angeben" → http://wsus-server:8530
Automatische Updates"Automatische Updates konfigurieren" → 4 (Autom. herunterladen und Installation planen)
Client-Side Targeting"Clientseitige Zielzuordnung aktivieren" → Gruppenname
Neustart erzwingen"Keinen automatischen Neustart erzwingen" → Je nach Policy
WSUS Client-Befehle
# Sofortige Update-Erkennung auslösen
wuauclt.exe /detectnow

# Windows Update Agent zuruecksetzen
wuauclt.exe /resetauthorization /detectnow

# GPO aktualisieren und dann Updates pruefen
gpupdate /force
wuauclt.exe /detectnow

# WSUS-Bereinigung per PowerShell
Invoke-WsusServerCleanup -CleanupObsoleteUpdates -CleanupUnneededContentFiles
Live Terminal
Wissenscheck
Frage 1 / 50 richtig

Was ist der Vorteil von WID gegenueber SQL Server fuer WSUS?

Missionen
01Installiere WSUS mit WID-Datenbank
02Fuehre den Konfigurationsassistenten durch (Produkte, Sprachen, Zeitplan)
03Erstelle Computergruppen: Pilot, Server, Clients
04Konfiguriere Client-Side Targeting per GPO
05Genehmige ein Update fuer die Pilot-Gruppe
06Loese eine sofortige Pruefung mit wuauclt aus
Szene 06 / 08

Speicher ueber das Netz

Storage Spaces und iSCSI

Der Fileserver ist voll. Neue Festplatten einbauen? Der Server hat keine freien Einschuebe mehr. Aber ein anderer Server hat massig Speicher uebrig. Loesung: Der zweite Server stellt Speicher uebers Netzwerk bereit — und der Fileserver nutzt ihn wie eine lokale Platte. Willkommen bei iSCSI und Storage Spaces.

6.1 Storage Spaces — Speicherpools

Storage Spaces (seit Windows Server 2012) fassen mehrere physische Datentraeger zu einem logischen Pool zusammen. Daraus erstellt man virtuelle Datentraeger mit verschiedenen Redundanzleveln.

Anforderungen an physische Datentraeger

  • Leer und unformatiert: Datentraeger duerfen keine Partitionen oder Daten haben
  • Unterstuetzte Bus-Schnittstellen: SAS, SATA, USB, NVMe
  • Medientyp: Muss als HDD oder SSD konfiguriert sein (neue Datentraeger oft "Unbekannt" — per PowerShell setzen)

Zuordnung physischer Datentraeger

ZuordnungBeschreibung
AutomatischWird automatisch in virtuellen Datentraegern verwendet
Hot SpareErsatzdatentraeger — springt automatisch ein bei Ausfall
StandbyReserviert, wird erst bei Bedarf aktiviert

6.2 Resilienz-Typen (Redundanz)

TypMin. DatentraegerTolerierte AusfaellePrinzip
Einfach (Simple)10Kein Schutz — maximale Kapazitaet
Zwei-Wege-Spiegelung (Mirror)21Daten werden auf 2 Datentraegern gespiegelt
Drei-Wege-Spiegelung52Daten auf 3 Datentraegern — hoechste Sicherheit
Paritaet (Parity)31Wie RAID 5 — Balance zwischen Kapazitaet und Schutz

Storage Tiers — Automatisches Tiering

Storage Spaces kann SSDs und HDDs im gleichen Pool kombinieren und automatisch optimieren:

  • Haeufig genutzte Daten werden automatisch auf die SSD-Schicht verschoben
  • Selten genutzte Daten bleiben auf der HDD-Schicht
  • Optimierung laeuft im Hintergrund (Scheduled Task, standardmaessig nachts)
Performance-Boost: Storage Tiers kombinieren die Kapazitaet von HDDs mit der Geschwindigkeit von SSDs — automatisch und ohne manuellen Eingriff.

Bereitstellungstypen fuer virtuelle Datentraeger

  • Fest (Fixed): Speicherplatz wird sofort vollstaendig reserviert. Besser fuer Performance.
  • Duenn/Thin: Speicher waechst dynamisch mit den Daten. Spart Platz, aber Ueberbuchung moeglich.
Storage Spaces PowerShell
# Verfuegbare physische Datentraeger anzeigen
Get-PhysicalDisk -CanPool $true

# Medientyp setzen (wenn "Unbekannt")
Set-PhysicalDisk -UniqueId "..." -MediaType HDD
Set-PhysicalDisk -UniqueId "..." -MediaType SSD

# Speicherpool erstellen
$disks = Get-PhysicalDisk -CanPool $true
New-StoragePool -FriendlyName "Pool01" -StorageSubsystemFriendlyName "Windows*" -PhysicalDisks $disks

# Virtuellen Datentraeger mit Mirror erstellen
New-VirtualDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool01" -FriendlyName "vDisk01" -Size 100GB -ResiliencySettingName Mirror

# Volume auf virtuellem Datentraeger erstellen
Get-VirtualDisk -FriendlyName "vDisk01" | Get-Disk | Initialize-Disk -PartitionStyle GPT -PassThru | New-Partition -UseMaximumSize -AssignDriveLetter | Format-Volume -FileSystem NTFS

6.3 iSCSI — Speicher uebers Netzwerk

Analogie: iSCSI ist wie eine sehr lange SATA-Kabelverlaengerung ueber das Netzwerk. Der Server denkt, die Festplatte waere lokal eingebaut — aber sie steckt physisch in einem anderen Server.
iSCSI
iSCSI Target (Zielserver)
iSCSI Initiator (Client)
IQN

iSCSI Target Server — Features

  • Rollendienst seit Server 2012 — kein zusaetzliches Produkt noetig
  • Mehrere Targets: Ein Server kann mehrere iSCSI-Targets bereitstellen
  • Persistente Datentraeger: Daten bleiben bei Neuverbindung erhalten (Standard)
  • Nicht-persistente Datentraeger: Werden bei jeder Verbindung zurueckgesetzt (fuer temporaere Daten)

6.4 iSCSI-Verbindung einrichten

Am Target-Server (Zielserver)

  1. Rolle installieren: Server-Manager → iSCSI-Zielserver
  2. Neues iSCSI-Target erstellen: Name vergeben
  3. Virtuelle Festplatte erstellen: Groesse und Speicherort (.vhdx)
  4. Zugriffsberechtigungen: IQN des erlaubten Initiators eingeben

Am Initiator (Client)

  1. iSCSI-Initiator oeffnen (iscsicpl.exe) — beim ersten Start wird der Dienst aktiviert
  2. Quick Connect: IP-Adresse des Target-Servers eingeben → Verbinden
  3. Datentraeger erscheint in der Datentraegerverwaltung (diskmgmt.msc)
  4. Initialisieren, Partition erstellen, Laufwerksbuchstabe zuweisen — wie eine lokale Festplatte
  5. Bevorzugtes Ziel: Unter "Bevorzugte Ziele" eintragen fuer automatische Wiederverbindung nach Neustart

Voraussetzungen und Best Practices

  • Schnelles Netzwerk: Mindestens 1 Gbit/s, besser 10 Gbit/s oder mehr
  • Dediziertes Netzwerk: Separates VLAN/Subnetz fuer iSCSI-Verkehr (kein Mischen mit normalem Datenverkehr)
  • Hochverfuegbarkeit: MPIO (Multipath I/O) fuer mehrere Pfade zum Target
  • Jumbo Frames: MTU 9000 fuer bessere Performance
iSCSI PowerShell
# iSCSI Target Server installieren
Install-WindowsFeature FS-iSCSITarget-Server -IncludeManagementTools

# Neues iSCSI-Target erstellen
New-IscsiServerTarget -TargetName "FileServer-Target" -InitiatorIds "IQN:iqn.1991-05.com.microsoft:fileserver.domain.local"

# Virtuelle iSCSI-Disk erstellen und zuweisen
New-IscsiVirtualDisk -Path "C:\iSCSI\Disk01.vhdx" -Size 200GB
Add-IscsiVirtualDiskTargetMapping -TargetName "FileServer-Target" -Path "C:\iSCSI\Disk01.vhdx"

# Am Initiator: Verbindung herstellen
New-IscsiTargetPortal -TargetPortalAddress "10.0.0.50"
Connect-IscsiTarget -NodeAddress "iqn.1991-05.com.microsoft:target-name" -IsPersistent $true
Live Terminal
Wissenscheck
Frage 1 / 50 richtig

Wie viele Datentraeger braucht man mindestens fuer eine Drei-Wege-Spiegelung?

Missionen
01Erstelle einen Speicherpool aus zwei physischen Datentraegern
02Erstelle einen gespiegelten virtuellen Datentraeger
03Installiere den iSCSI-Zielserver als Rollendienst
04Erstelle ein iSCSI-Target mit virtueller Festplatte
05Verbinde den iSCSI-Initiator per Quick Connect
06Konfiguriere die automatische Wiederverbindung (Bevorzugtes Ziel)
Szene 07 / 08

Arbeiten aus der Ferne

Remotedesktopdienste, RemoteApp, VDI und Gateway

Corona 2.0. Alle muessen sofort ins Homeoffice. VPN reicht nicht — die Mitarbeiter brauchen ihre Desktop-Anwendungen. Manche brauchen den ganzen Desktop, andere nur Excel und SAP. Loesungen: Remotedesktop fuer den ganzen Desktop, RemoteApp fuer einzelne Programme, oder VDI fuer eine eigene VM pro Benutzer.

7.1 RDS vs. Remote Desktop

Remote Desktop (Standard)RDS (Remotedesktopdienste)
Sitzungen1-2 Admin-SitzungenUnbegrenzt viele Benutzersitzungen
LizenzIn Windows integriertErfordert RDS-CALs
ZweckVerwaltungProduktives Arbeiten fuer Endbenutzer
RemoteAppNeinJa
Web AccessNeinJa

7.2 mstsc.exe — Der Remotedesktop-Client

mstsc.exe (Microsoft Terminal Services Client) ist der Standard-RDP-Client.

ParameterBeschreibung
/v:server:portVerbindung zu Server (Standard-Port: 3389)
/adminAdmin-Sitzung (verbindet zur Konsole)
/w:1920 /h:1080Fenstergroesse in Pixeln
/multimonMehrere Monitore verwenden
/fVollbildmodus

Verbindungseinstellungen — Tabs

  • Allgemein: Server, Benutzername, Verbindung speichern (.rdp Datei)
  • Anzeige: Aufloesung, Farbtiefe, Vollbild
  • Lokale Ressourcen: Audio, Drucker, Laufwerke, Zwischenablage umleiten
  • Leistung: Verbindungsgeschwindigkeit, visuelle Effekte anpassen
  • Erweitert: Serverauthentifizierung, Gateway-Einstellungen

Lokale Ressourcen — Umleitung

  • Laufwerksumleitung: Lokale Festplatten im Remote-Desktop als Netzlaufwerke sichtbar
  • Druckerumleitung: Lokale Drucker im Remote-Desktop verfuegbar
  • Zwischenablage: Copy/Paste zwischen lokal und remote
  • Audio: Sounds vom Remote-PC lokal abspielen

7.3 RDS-Bereitstellung

Sitzungsbasiert

Mehrere Benutzer teilen einen Server. Guenstig, effizient.

VDI

Jeder Benutzer bekommt eigene VM. Isoliert, flexibel, teuer.

RemoteApp

Nur einzelne Apps remote — fuehlt sich an wie lokal installiert.

Installation

Pfad: Server-Manager → Verwalten → Rollen und Features hinzufuegen → Installationstyp: "Installation von Remotedesktopdiensten"

Bereitstellungstypen

TypBeschreibungVerwendung
SchnellstartAlle Rollen auf einem ServerTests, kleine Umgebungen
StandardRollen auf verschiedene Server verteiltProduktion
Schnellstart ist perfekt zum Testen. In Produktion sollte man die Rollen auf verschiedene Server verteilen: RD Session Host, RD Connection Broker, RD Web Access, RD Licensing, RD Gateway — jeweils auf eigenen Servern.

7.4 Sitzungssammlungen (Session Collections)

Eine Sitzungssammlung fasst einen oder mehrere RD Session Hosts zusammen und definiert die Verbindungseigenschaften.

Konfigurierbare Eigenschaften

  • Allgemein: Name, Beschreibung
  • Benutzergruppen: Welche AD-Gruppen duerfen sich verbinden?
  • Sitzungslimits:
    • Trennungstimeout: Nach wie vielen Minuten wird eine getrennte Sitzung beendet?
    • Aktive Sitzung: Maximale Dauer einer aktiven Sitzung
    • Leerlauftimeout: Sitzung wird nach X Minuten Inaktivitaet getrennt
  • Sicherheit:
    • Sicherheitsschicht: RDP (aeltester), Negotiate (automatisch), SSL/TLS (empfohlen)
    • Verschluesselungsstufe: Niedrig, Clientkompatibel, Hoch, FIPS-konform
    • NLA (Network Level Authentication): Authentifizierung VOR dem Desktop-Aufbau
  • Lastenausgleich: Gewichtung bei mehreren Session Hosts
  • Clienteinstellungen: Laufwerks-, Drucker-, Zwischenablage-Umleitung erlauben/verbieten
  • Benutzerprofildatentraeger: Zentraler Speicherort fuer Benutzerprofile (UPD)

7.5 Benutzerprofildatentraeger (User Profile Disks)

User Profile Disks (UPD) speichern das Benutzerprofil auf einer Netzwerkfreigabe als .vhdx-Datei. Egal auf welchem Session Host sich der Benutzer anmeldet — sein Profil ist immer dabei.

  • Netzwerkfreigabe: z.B. \\\\fileserver\\UserProfileDisks
  • Pro Benutzer eine .vhdx-Datei mit dem Benutzerprofil
  • Nahtloses Roaming: Benutzer merkt nichts — Profil wird bei Anmeldung automatisch gemountet
  • Vorteil gegenueber Roaming Profiles: Schneller, zuverlaessiger, kein Sync-Problem

7.6 RemoteApp

RemoteApp veroeffentlicht einzelne Anwendungen statt des ganzen Desktops. Die App laeuft auf dem Server, erscheint aber auf dem Client als waere sie lokal installiert.

RemoteApp-Installationsmodus

Software auf einem Sitzungshost MUSS im Installationsmodus installiert werden:

Installationsmodus
# VOR der App-Installation wechseln
change user /install

# Anwendung installieren...
# (z.B. setup.exe ausfuehren)

# Zurueck in den Ausfuehrungsmodus
change user /execute

# Aktuellen Modus pruefen
change user /query
Wichtig: Ohne Installationsmodus funktionieren Anwendungen moeglicherweise nur fuer den installierenden Benutzer, nicht fuer alle Sitzungen.

RemoteApp veroeffentlichen

  1. Server-Manager → Remotedesktopdienste → Sitzungssammlung
  2. "RemoteApp-Programme veroeffentlichen"
  3. Programm aus der Liste waehlen (oder manuell Pfad angeben)
  4. Programm wird automatisch im RD Web Access sichtbar

RemoteApp-Eigenschaften

  • Parameter: Kommandozeilenparameter erlauben/verbieten/vordefinieren
  • Benutzerzuweisung: Welche AD-Gruppen sehen die App?
  • Dateitypzuordnung: .xlsx oeffnet automatisch die Remote-Excel-App

Bereitstellungswege fuer Endbenutzer

  • RD Web Access: https://server/rdweb — Apps werden im Browser angezeigt und gestartet
  • Web Feed: https://server/rdweb/feed/webfeed.aspx — RemoteApps erscheinen direkt im Startmenue des Clients

7.7 VDI — Virtual Desktop Infrastructure

Bei VDI bekommt jeder Benutzer eine eigene virtuelle Maschine. Laeuft auf einem Hyper-V Host.

SammlungstypBeschreibungEinsatz
PoolbasiertVMs werden geteilt. Nach Abmeldung wird die VM zurueckgesetzt.Standardarbeitsplaetze, Call-Center
PersoenlichJeder Benutzer hat eine dedizierte VM. Aenderungen bleiben erhalten.Entwickler, Power-User
VDI-Voraussetzung: Ein Hyper-V Host mit genuegend RAM und CPU fuer alle VMs. Pro VM typischerweise 2-4 GB RAM und 1-2 vCPUs.

7.8 RD Gateway — RDP ueber HTTPS

Das RD Gateway tunnelt RDP-Verkehr ueber HTTPS (Port 443). Benutzer koennen sich von ueberall verbinden — durch jede Firewall, ohne VPN.

Netzwerk-Architektur

Internet → DMZ (Gateway-Server mit Port 443) → Internes Netzwerk (Session Hosts)

  • Nur Port 443 (HTTPS) muss in der Firewall geoeffnet sein
  • Kein VPN noetig — RDP ist in HTTPS gekapselt
  • Gateway entschluesselt HTTPS, prueft Autorisierung, leitet RDP weiter

Gateway-Zertifikat

Das RD Gateway braucht ein SSL-Zertifikat (Szene 1!). Besonderheiten:

  • PKI-basiert: Zertifikatvorlage mit Auto-Enrollment erstellen
  • SAN (Subject Alternative Name): Interner Name UND externer Name im gleichen Zertifikat
  • Beispiel: CN=gateway.firma.de, SAN=gateway.firma.local + gateway.firma.de

Autorisierungsrichtlinien

CAP (Connection Authorization Policy)
RAP (Resource Authorization Policy)

Gateway-Monitoring

  • Verbundene Benutzer anzeigen
  • Sitzungen einzeln oder gesamt trennen
  • Verbindungsdauer und Ressourcenverbrauch ueberwachen
Alle Szenen verbunden: PKI (Szene 1) liefert das Zertifikat → IIS (Szene 4) hostet den Web Access → Gateway nutzt SSL → Benutzer verbinden sich sicher von aussen.

7.9 RDS-Lizenzierung

RDS erfordert eigene Lizenzen — zusaetzlich zu den normalen Windows Server CALs.

Pro Benutzer (User CAL)Pro Geraet (Device CAL)
Lizenz gilt fuerEinen bestimmten Benutzer (egal welches Geraet)Ein bestimmtes Geraet (egal welcher Benutzer)
Ideal fuerBenutzer mit mehreren GeraetenShared Workstations / Kioske
120-Tage-Testphase! Ohne konfigurierte RDS-Lizenzierung funktioniert alles 120 Tage lang. Danach werden Verbindungen verweigert. Lizenzserver rechtzeitig einrichten!
RDS PowerShell
# RD Session Host Rolle installieren
Install-WindowsFeature RDS-RD-Server -IncludeManagementTools

# RD Licensing Rolle installieren
Install-WindowsFeature RDS-Licensing -IncludeManagementTools

# RD Gateway Rolle installieren
Install-WindowsFeature RDS-Gateway -IncludeManagementTools

# RD Web Access Rolle installieren
Install-WindowsFeature RDS-Web-Access -IncludeManagementTools

# Aktive Sitzungen anzeigen
query session /server:rdsh01

# Benutzer abmelden
logoff [Sitzungs-ID] /server:rdsh01
Wissenscheck
Frage 1 / 70 richtig

Was ist der Unterschied zwischen Sitzungsbasiert und VDI?

Missionen
01Installiere RDS mit Schnellstart-Bereitstellung
02Erstelle eine Sitzungssammlung mit Sitzungslimits
03Installiere eine Anwendung im Installationsmodus
04Veroeffentliche sie als RemoteApp
05Teste den Zugriff ueber RD Web Access
06Richte ein RD Gateway mit CAP und RAP ein
07Konfiguriere User Profile Disks auf einer Netzwerkfreigabe
Szene 08 / 08

Alles zusammen

Das Gesamtbild — Dienste, Verbindungen, Defense in Depth

Eine Woche spaeter. Du sitzt mit dem Chef zusammen. Er will verstehen, wie alle Dienste zusammenpassen. Du holst ein Whiteboard und zeichnest das Gesamtbild. Jeder Dienst ist ein Baustein — und sie greifen alle ineinander.

8.1 Wie die Dienste zusammenspielen

Zertifikatfluss (PKI als Fundament)

  • PKI → VPN: EAP-Zertifikate fuer sichere VPN-Authentifizierung
  • PKI → IIS: SSL/TLS-Zertifikate fuer HTTPS-Websites
  • PKI → RDS Gateway: SSL-Zertifikat fuer RDP-ueber-HTTPS-Tunnel
  • PKI → EFS: Benutzerzertifikate fuer Dateiverschluesselung
  • PKI → WLAN/802.1X: Computerzertifikate fuer Netzwerk-Authentifizierung

Update-Fluss (WSUS als Schutzschild)

  • WSUS → Alle Server: Sicherheitsupdates fuer Domain Controller, Fileserver, Webserver, RDS Hosts
  • WSUS → Alle Clients: Windows Updates, Office Updates, Treiberupdates
  • Gestaffelte Verteilung: Pilot → Server → Clients (4-Phasen-Prozess)

Speicherfluss (iSCSI als Grundlage)

  • iSCSI → Fileserver: Zentraler Speicher fuer Dateifreigaben
  • iSCSI → RDS Hosts: User Profile Disks auf iSCSI-Speicher
  • iSCSI → Hyper-V: VM-Speicher fuer VDI-Desktops

8.2 Defense in Depth — Mehrschichtige Sicherheit

Burg-Analogie: Eine mittelalterliche Burg hat nicht nur eine Mauer. Sie hat: Wassergraben (Firewall), aeussere Mauer (VPN/Gateway), innere Mauer (NPS-Richtlinien), Wachturm (WSUS-Monitoring), Tresor (BitLocker/EFS), und Ausweisskontrolle (PKI-Zertifikate). Jede Schicht stoppt andere Bedrohungen.
SchichtTechnologieSchuetzt vor
1. PhysischBitLocker, TPMDiebstahl, physischer Zugriff
2. IdentitaetPKI-Zertifikate, NPS, EAPIdentitaetsdiebstahl, unbefugter Zugriff
3. NetzwerkVPN (IKEv2/SSTP), Firewall, NPS-RichtlinienAbhoeren, Man-in-the-Middle
4. TransportSSL/TLS (IIS), RDP-VerschluesselungDatenabfangen bei Uebertragung
5. DateiEFS, NTFS-BerechtigungenUnbefugter Dateizugriff
6. AnwendungIIS-Authentifizierung, RemoteApp-BerechtigungenUnbefugte Nutzung von Anwendungen
7. Patch-ManagementWSUSBekannte Schwachstellen, Exploits
Kein einzelner Schutzmechanismus reicht! WannaCry hat gezeigt: Ein fehlendes Update genuegt, um tausende Systeme zu kompromittieren. BitLocker schuetzt nicht vor Netzwerkangriffen. VPN schuetzt nicht vor Laptop-Diebstahl. Nur die Kombination aller Schichten bietet echten Schutz.

8.3 Alle PowerShell-Befehle — Zusammenfassung

Szene 1: PKI / Zertifikatdienste
# AD CS installieren
Install-WindowsFeature AD-Certificate -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature ADCS-Web-Enrollment

# Zertifikate verwalten
Get-ChildItem Cert:\LocalMachine\My
Export-Certificate -Cert Cert:\LocalMachine\My\[Thumbprint] -FilePath C:\cert.cer
Revoke-Certificate -SerialNumber "1A2B3C4D" -Reason "KeyCompromise"
certutil -CRL    # Neue CRL veroeffentlichen
certutil -URL "C:\cert.cer"    # AIA/CDP pruefen
Szene 2: VPN / NPS
# RAS + NPS installieren
Install-WindowsFeature DirectAccess-VPN -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature NPAS -IncludeManagementTools

# VPN-Client
Add-VpnConnection -Name "Firma-VPN" -ServerAddress "vpn.firma.de" -TunnelType IKEv2

# NPS Backup/Restore
netsh nps export filename="C:\nps-backup.xml" exportPSK=YES
netsh nps import filename="C:\nps-backup.xml"
Szene 3: EFS / BitLocker
# EFS
cipher /e /s:C:\Vertraulich
cipher /r:"DRA-Admin"

# BitLocker
manage-bde -on C: -RecoveryPassword
manage-bde -status C:
Enable-BitLocker -MountPoint "C:" -RecoveryPasswordProtector
Backup-BitLockerKeyProtector -MountPoint "C:" -KeyProtectorId $id
Szene 4: IIS
# IIS installieren
Install-WindowsFeature Web-Server -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature Web-Windows-Auth

# Website verwalten
New-IISSite -Name "Intranet" -PhysicalPath "C:\inetpub\intranet" -BindingInformation "*:80:intranet.firma.de"
Get-IISSite
Szene 5: WSUS
# WSUS installieren
Install-WindowsFeature UpdateServices -IncludeManagementTools
wsusutil.exe postinstall CONTENT_DIR=C:\WSUS

# Client-Befehle
wuauclt.exe /detectnow
Invoke-WsusServerCleanup -CleanupObsoleteUpdates
Szene 6: Storage Spaces / iSCSI
# Storage Spaces
Get-PhysicalDisk -CanPool $true
New-StoragePool -FriendlyName "Pool01" -StorageSubsystemFriendlyName "Windows*" -PhysicalDisks $disks
New-VirtualDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool01" -FriendlyName "vDisk01" -Size 100GB -ResiliencySettingName Mirror

# iSCSI Target
Install-WindowsFeature FS-iSCSITarget-Server
New-IscsiServerTarget -TargetName "Target01" -InitiatorIds "IQN:iqn..."
New-IscsiVirtualDisk -Path "C:\iSCSI\Disk01.vhdx" -Size 200GB
Szene 7: RDS
# RDS-Rollen
Install-WindowsFeature RDS-RD-Server -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature RDS-Gateway -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature RDS-Web-Access -IncludeManagementTools
Install-WindowsFeature RDS-Licensing -IncludeManagementTools

# Sitzungsverwaltung
query session /server:rdsh01
change user /install    # Vor App-Installation
change user /execute    # Danach

8.4 Abschluss-Quiz — Alle Szenen

Grosser Abschlusstest
Frage 1 / 100 richtig

Welcher Dienst liefert die Grundlage fuer VPN-Auth, HTTPS und RDS-Gateway?

Abschluss-Missionen
01Baue eine komplette PKI-Infrastruktur auf: Root CA + Subordinate CA + Auto-Enrollment
02Richte einen VPN-Server mit IKEv2 und EAP-Zertifikat-Authentifizierung ein
03Verschluessele Daten mit EFS und BitLocker gleichzeitig
04Erstelle einen IIS-Webserver mit drei Websites und HTTPS
05Konfiguriere WSUS mit gestaffelter Update-Verteilung an Computergruppen
06Erstelle einen Storage Pool und stelle Speicher per iSCSI bereit
07Stelle eine vollstaendige RDS-Umgebung mit RemoteApp und Gateway bereit

Geschafft!

Du hast alle 8 Szenen durchgearbeitet. Die Theorie sitzt — jetzt geht es an die Praxis in deiner Lab-Umgebung. Nutze die Missionen als Checkliste und baue die komplette Infrastruktur auf.